Pressespiegel

Ahlener Zeitung, Dienstag, 21, Juni 2005

Stundenlang kommt kein einziges Auto

Ex-Arzthelferin bietet Norwegenreise-Pakete an.

Mitternachtssonne. Oder unvergesslich: Polarlicht. "Als ich das zum ersten Mal gesehen habe - das war phantastisch", sagt Sabine Heumann. "Du gehst doch bloß nach Norwegen, weil Du eine Zuflucht brauchst!" Beim Zitat eines Bekannten schleicht sich etwas Weiches in ihr fröhliches Lächeln. Stimmt: "Norwegen", sagt sie begeistert schwärmend, "das sind nicht nur Berge und Meer und Fjorde und Wälder. Sie haben überall immer auch Weite. Und viel Stille! Während zweieinhalb Autostunden keinen Menschen zu sehen, aber wenn man welchen begegnet, sonst vielleicht in Südeuropa erwartete Freundlichkeit zu erleben - ein Grund der Frau, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen. Sie plant Individualreisen nach und in Norwegen.

Beruf Arzthelferin; dass es das nicht war für die Zwanzigerin, bemerkt sie bei einer ersten Reise nach Norwegen Mitte der 80er. Für sie stand fest: "Dieses Land muss ich unbedingt kennen lernen".
Inzwischen hat sie viele Jahre als Wahl-Norwegerin hinter sich. 1 1/2 Jahre hatte sie dort nach dem Einstieg als Au-pair-Mädchen gelebt, über diverse Jobs schließlich auf der Hurtigrute, der berühmten Postschiff-Linie, als Reiseleiterin angeheuert.
Die Krankheit ihres Vaters beendete dieses Zwischenspiel. doch die Liebe zum Land loderte weiter. Nach Jahren als Chefsekretärin im Vertrieb bei LR International entschloss sich Sabine Heumann für neue Wege. "Im Juni 2002 hab' ich mich selbständig gemacht." Nur alle paar Wochen ist sie zuhause in der Birkenstraße, ansonsten in Norwegen. "Das Leben ist schon teuer. Norwegen muss halt fast alles importieren. Nur vier Prozent der Fläche sind landwirtschaftlich nutzbar."
Für Drei-Wochen-Familientripps also eher die Ausnahme. "Meine Gäste sind oft Paare oder allein Reisende," die sich bei Heumann die wunschgemäße Komplettplanung kaufen. Hüttenurlaub am See, Hurtigruten-Passage.
Städtereise? Sie kennt alles in diesem Land, spricht die Sprache so fließend, dass sie schon im fünften VHS-Semester unterrichtet. Alles das füllt aus. "Ich kann keine großen Sprünge machen. Aber ich bin so glücklicher, als wenn es nur ums reine Geldverdienen ging." Blick und Tonfall lassen keinen Zweifel.

Also stehen die Umzugskartons schon bereit? "Das plane ich nicht. Aber ausgeschlossen ist es auch nicht." Denn wie gesagt, sei Norwegen nicht preiswert. "Doch die Menschen sind es gewohnt, jeden Arztbesuch zu zahlen." Dennoch: Norweger haben eine so große Gelassenheit. Die freuen sich über den Sonnenschein heute. Hier in Deutschland sagt man: ,Aber morgen soll es ja schon wieder schlechter werden.' Das würde dort nie passieren."
"Ziel und Sinn" heißt ihr eine-Frau-Reiseunternehmen. "Weil nichts besser ausdrückt, was das zu tun für mich bedeutet."

 

Ahlener Tageblatt, Samstag, 08. März 2003

Elchfreie Zonen sucht man in ihrer gemütlichen Dachwohnung vergebens, denn Sabine Heumann outet sich schon beim Betreten ihres Refugiums als bekennender Fan der nordischen Riesenhirsche.

Sofas, Simse und Konsolen zieren das geweihtragende Huftier in Stein, Plüsch oder sonst wie. Die 39-jährige gelernte Arzthelferin liebt Skandinavien, und da vor allem Norwegen. Und weil das so ist, ging sie im Juni 2002 das große Wagnis ein und wurde zur Existenzgründerin.

Unter dem beziehungsreichen Namen "Ziel und Sinn" firmiert sie seither als Spezialistin für Norwegenreisen und kann vor allem eins in die Waagschale werfen, nämlich ihre guten Kenntnisse des Landes. Egal ob sparsamer Rucksacktourist oder anspruchsvoller Kreuzfahrtliebhaber - alles gibt es bei ihr, auf Wunsch geplant vom ersten bis zum letzten Tag der Reise.

Liebe auf den ersten Blick muss es wohl gewesen sein, 1986, als sie mit ihrem damaligen Freund eine Norwegenreise unternahm und so fasziniert war, dass sie beschloss, Deutschland den Rücken zu kehren und gen Norden zu ziehen.

Eine Organisation in Oslo vermittelte eine Au-pair-Stelle, und Sabine war in Norwegen, zunächst ohne Sprachkenntnisse, doch daran lässt sich schnell etwas ändern. Sechs Wochen und einen Abendkurs später hatte sie Grammatik und Vokabeln "drauf", den Rest besorgte das Leben selbst.

Inzwischen hatte sie sich auch selbst eine Stelle als Tagesmutter besorgt, jobbte in Restaurants und genoss das geliebte Land in vollen Zügen.

Und wäre da nicht eine schwere Krankheit in der Familie dazwischen gekommen, Sabine Heumann wäre wohl nur noch gelegentlich zu Besuch bei ihren Eltern in Ahlen. So aber kam sie zurück, fand hier zunächst einen Job, der mit Reisen nichts zu tun hatte. Bis zu jenem Tag, als Sabine eine Anzeige entdeckte, in der eine Reiseleiterin gesucht wurde für Abenteuerreisen in Skandinavien.

Das war der Anfang, und Sabine wurde freiberufliche Reiseleiterin und trieb sich hauptsächlich in nördlichen Gefilden herum.

Per Bus, Bahn oder Schiff bereiste sie Skandinavien, begleitete Kreuzfahrten bis nach St. Petersburg und hatte eigentlich eine wunderschöne Zeit. Fast das ganze Jahr unterwegs zu sein, hat aber auch Nachteile. Und daher sann Sabine Heumann nach einer Alternative. Freundschaften zu pflegen, Bekannte zu treffen oder spontan mal jemanden einzuladen, all das wird schwierig.

"Man wird auf die Dauer einsam" erzählt sie, und so kam ihr die Idee, eine eigene Agentur zu gründen, mit der sie Touristen beraten könnte. Im Angebot stehen daher sowohl "Rundum-sorglos-Pakete" als auch spezielle Beratungen.

Kürzlich begleitete sie eine Gruppe auf der "schönsten Seereise der Welt", wie die Fahrt mit den Schiffen der Hurtigrute entlang der norwegischen Fjordküste bis nach Kirkenes genannt wird.

Ganz auf Reiseleitung verzichten möchte die charmante Jungunternehmerin nämlich nicht, dafür findet sie es in Norwegen viel zu interessant. Und manchmal gibt es ja auch ganz spezielle Aufträge in Ahlen, so zum Beispiel bei der Politisch-kulturellen Woche Anfang dieses Jahres, die Norwegen zum Thema hatte. Da konnte Sabine Heumann dann ihre Sprachkenntnisse als Dolmetscherin anbringen.



Wohin in Norwegen? Sabine Heumann organisiert das. Sie hat daraus ihre eigene Firma gemacht.